Es ist 9:20 Uhr Ortszeit in Jülich. Vor dem Tor der Sendeanlage der Deutschen Telekom parken bereits 20 Autos. Obwohl das offizielle Treffen erst
für 10 Uhr geplant ist, tauschen sich die Hörerfreunde von Radio Korea International, China Radio International sowie rein technisch interessierte DXer lebhaft aus.
Für einiger Hörer bedeutet dieser Tag das erstmalige wiedersehen nach 6 oder auch 12 Monaten. Als
Hans-Jürgen Söffing aus Bochum eintrifft, sind wir fast vollständig. Es erscheinen
über 50 Hörerfreunde. Willi Verrieth, der Organisator, ging von über 60 Teilnehmern aus. Doch denkt man an die teilweise sehr geringe Zahl von Teilnehmern
an Hörertreffen in einem Restaurant, erleben wir heute einen großen Andrang. Hans-Werner Lange sieht dies ebenso und sagt zu mir, halb zum
Spaß und halb im Ernst:
"Die Kurzwelle ist in einigen Bereichen schon fast tot. Wenn ein Sender ein Quiz veranstaltet, muss er aufpassen, dass es nicht zu viele Gewinne gibt. Es sind einfach zu
wenig Teilnehmer vorhanden. Sonst müssen die Preise auch an die Teilnehmer mit falschen Antworten verteilt werden..." - Man denke hier nur an die Einstellung der
französischsprachigen Sendung von Radio HCJB auf Kurzwelle. Hörerfreunde reisen an aus Luxemburg, Belgien, Mainz, Meckenheim, Gelsenkirchen usw. Ein gutes
Zeichen: Es werden Fahrgemeinschaften unter den Hobbyfreunden gebildet.
CRI entsandte zwei Korrespondenten aus Berlin, die den Hörern bereitwillig alle Fragen beantworten. Auch Fragen zum Land, die
über den Rundfunk hinaus gehen. Herr Shao verschenkt schöne Scherenschnitte sowie Wimpel und verteilt ein Gruppenfoto der deutschen Redaktion.
Für den Hörerbriefkasten werden ausführliche Interviews durchgeführt. Die aktuellen CRI-Monitorkarten
dürfen wir ebenfalls bewundern.
Nun ist es an der Zeit die Sendeanlagen zu besichtigen: Seit die Deutsche Welle nicht mehr
über Jülich abstrahlt, werden die 100-Kilowatt-Sender an Fremdanbieter vermietet. So z.B. an
religiöse Stationen. Der Standort arbeitet mittlerweile in der Gewinnzone, denn die Zeit der Deutschen Bundespost als
Behörde gehört der Vergangenheit an. Eine Sendestunde kostet rund EURO 150,- und kann theoretisch auch von Privatpersonen beantragt werden. Freilich, es muss eine Genehmigung der
Regulierungsbehörde erfolgen, um diplomatische Missverständnisse auszuschließen. Ein Mitarbeiter scherzt: "Bin Laden
würde sicher keine Genehmigung erhalten."
Die vielen technischen Fragen der Hörer werden bereitwillig beantwortet. In Juelich-Mersch geht man mit der Zeit: Die digitale Kurzwelle ist hier ein konkretes Thema.
Besonders stolz zeigt sich Herr Dipl. Ing. Weyl darüber, dass dem Programmanbieter jede denkbare
Möglichkeit der Übermittlung seines Programms an die Rundfunksendestelle geboten wird: Ob per Audiokassette, Telefon, Satellit (analog und digital) oder Internet!
Es ist an der Zeit die Außenanlage zu besichtigen, die man von der Autobahn aus bereits
über weite Strecken sichten kann. Die Türme der Außenantennen sind bis zu 100 Meter hoch. Hierbei
erläutert uns die Telekom die Funktionsweise der elektromagnetischen Wellen. Neben den
Richtfunkantennen wird auch ein Rundstrahler eingesetzt. Fotos werden reichlich angefertigt --
überwiegend digital.
Nach vielen technischen Informationen nimmt ein Grossteil der Hörer die Gelegenheit wahr, in einem Restaurant einzukehren. Es ist ein Chinesisches, das
lässt den Tag angemessen ausklingen.
Zum nächsten Hörertreffen wird jeder seine Fotos mitbringen. Doch bis dahin dauert es noch 6 Monate, es sei denn, der
Hörer fliegt vorab nach Seoul oder Peking. Pläne hierzu waren jedenfalls zu hören...
Andreas Niederdeppe