
Wir hatten es uns in diesem Jahr nicht leicht gemacht, ein Ziel für unseren Sommerurlaub zu suchen. Leider sind viele bekannte Reiseziele in der Hauptsaison fast nicht mehr bezahlbar. So fiel unsere Wahl auf Bulgarien, genauer gesagt, auf das Schwarzmeerbad Zlatny Pjasazi, in Deutsch auch „Goldstrand" genannt. Dort hatten wir uns das Dreisterne-Hotel Ljuljak ausgesucht.
Zlatny Pjasazi befindet sich an der bulgarischen Schwarzmeerküste, etwa 20 km von der Hafenstadt Varna entfernt.
Am Nachmittag des 30.
Juli wurden wir vom Flughafenbringer Laroux abgeholt, der uns in einer halben
Stunde zum Saarbrücker Flughafen Ensheim brachte. Von dort aus starteten wir
mit einer Tupolev Maschine der bulgarischen Fluggesellschaft Air Via (www.air-via.com)
um 15.30h in Richtung Flughafen Varna (Flug VIM0312), wo wir nach einem etwas
mehr als zweistündigen sehr ruhigen Flug sicher landeten.
Dort
warteten bereits Busse der jeweiligen Reiseveranstalter, welche die angereisten
Gäste zu den gebuchten Hotels in den Ferienorten Sveti Konstantin (früher „Druschba")
und Zlatny Pjasazi brachten. Nach ca. 90 Minuten waren wir am Hotel Ljuljak
angelangt und bekamen unsere Schlüssel für Zimmer 51A. Wir waren mehr als
überrascht, als wir die Tür öffneten, denn wir hatten ein Riesen-Appartement
bekommen. Unser Schlafzimmer war größer als alle Hotelzimmer, die wir bei
früheren Urlauben hatten, dazu kam ein noch größeres Wohnzimmer, in dem auch
Nadines Bett stand, ein Badezimmer mit Toilette und Badewanne, eine
Gäste-Toilette, zwei Vorräume und Balkon. Bei einem Dreisternehotel hatten wir
diesen Luxus
nicht erwartet.
Das Hotel lag 200 m vom Strand entfernt in einem Wald. Das hatte den
Vorteil, dass man etwas weiter vom ziemlich lauten Treiben bei den Hotels, die
dicht am Strand liegen, entfernt war und auch noch zusätzliche Ruhe und Sichtschutz
durch den umgebenden Wald hatte.
Zlatny
Pjasazi ist einer der bekanntesten und beliebtesten bulgarischen
Schwarzmeerstrände und befindet sich 17 km nördlich von Varna, an der
internationalen Fernverkehrsstrasse E-80. Der Badeort liegt auf dem Territorium
des „Nationalparks Goldstrand" inmitten von einzigartigen Baumarten. Sein
Strandstreifen ist 3,5 km lang und stellenweise 100 m breit und ist mit feinem
goldfarbenen Sand bedeckt. Daher auch der Namen Zlatny Pjasazi (zu Deutsch „Goldstrand")
für den Badeort. - Die durchschnittliche Lufttemperatur im Sommer ist 27° C, die
durchschnittliche Wassertemperatur beträgt 24° C. In Goldstrand entspringen
einige Mineralquellen, von denen vier eine Wasserergiebigkeit von 150 m3/s
haben. Die Heileigenschaften des Wassers wird in den zahlreichen balneologischen
und Fitness-Zentren im ganzen Komplex genutzt.
Nachdem wir die
erste Nacht hinter uns gebracht und uns am reichhaltigen Frühstücksbuffet
gestärkt hatten, begaben wir uns ins Zentrum des Badeortes, einer langen
Strandpromenade. Dort sorgen unzählige Restaurants, Geschäfte, Imbissstände
und andere Aktionen dafür, bei den Passanten keine Langeweile aufkommen zu
lassen.
An diesem ersten Tag in Bulgarien hatte die Reisegesellschaft TUI einen Vortrag geplant, bei dem die wichtigsten Informationen vermittelt wurden, so auch mögliche Ausflüge.
Am Nachmittag des gleichen Tages unternahmen wir unsere erste Tour auf eigene Faust in die nahegelegene Stadt Varna, der drittgrößten Stadt Bulgariens.
Mehr als 2500 Jahre hat Varna (310.000 Ew.) nun auf dem
Buckel - aber dank Meer, Seefahrt und spätem Tourismus ist die Stadt offen,
dank der allgegenwärtigen Kastanienbäume ist auch ihr Kern grün, und die
Atmosphäre ist jugendlich frisch geblieben. Natürlich ist die zauberhafte Lage
das Kapital der Stadt, aber die man hat das auch vortrefflich genutzt: drei
Strände (Nord, Zentral, Süd) und nebenan ein wunderschöner, riesiger
Meerespark, der zum Flanieren einlädt mit Aquarium, Observatorium, Delphinarium
und vielen malerischen Blumenanlagen und alten Bäumen.
Varna
hat eine sehr schöne orthodoxe Kathedrale (die zweitgrößte des Landes) und
eine ausgedehnte Fußgängerzone mit vielen kleinen Geschäften, gemütlichen
Kaffees und Restaurants. Sogar ein kleines Internet-Büro konnte ich finden, wo
ich für einen geringfügigen Betrag meine e-mails lesen und beantworten konnte.
Varna hat auch international einiges zu bieten, wie z. B. den Varnaer Sommer,
ein herausragendes Festival für Oper, Ballett und klassische Musik.
Varna wurde im Jahre 570 vor Christus von aus Milet stammenden Griechen unter dem Namen „Odessos" gegründet. So ist es kein Wunder, dass sich hier einer der ältesten Goldschätze der Welt befindet, der in einem Museum der Stadt zu bewundern ist.
Nach Varna waren wir während unseres Aufenthaltes am Goldstrand des öfteren gefahren. Es gibt eine gute und auch sehr preiswerte Busverbindung, so dass wir ohne Probleme dorthin kamen.
Von Goldstrand zum benachbarten Seebad Albena gibt es
ebenfalls eine schnelle Busverbindung, die wir natürlich auch nützten, um
dorthin zu kommen. Albena hat ebenfalls einen sehr breiten und langen
Sandstrand, das „Zentrum" liegt jedoch nicht direkt am Strand sondern ein
bisschen entfernt. Vom Dach des Hotels Dobrudscha hat man einen fantastischen
Blick über den Badeort und auch den Strand. In einem der kleinen Restaurants an
der Promenade genoss ich auch dann einen feinen „Schopska" Salat, eine
typisch bulgarische Spezialität: gewürfelte Gurken, Tomaten, Paprika mit
geriebenem Schafskäse darüber – einfach köstlich….
Neben den Ausflügen, die wir auf eigene Faust unternahmen,
hatten wir auch drei Programme über den Reiseveranstalter gebucht. Das erste
war das sogenannte Waldfest im Restaurant „Kolibite" im Wald bei
Goldstrand gelegen, das fand abends statt. Neben einem üppigen Büffet und Wein
und andere Getränke inklusive, gab es ein großes Unterhaltungsprogramm, das
neben bulgarischer Folklore auch Artistik, Clownerie, andere Tänze und eine
Tombola bot.
Eine
weitere gebuchte Fahrt ging von Goldstrand aus in südlicher Richtung nach
Nessebar in der Nähe der Hafenstadt Burgas. Auf einer Halbinsel im Schwarzen
Meer errichtet, die mit dem Festland durch eine schmale Landenge verbunden ist,
stellt Nesebar eine Stadt mit einer Geschichte dar, die mehr als 2.000 Jahre
zurückreicht. Jede Ära hat ihre bleibenden Andenken hinterlassen und macht
die Stadt einmalig. Sie ist ein riesiges Museum, das die Lebensstile der
Menschen zeigt, die hier gewohnt haben. Auf der kleinen Fläche der Halbinsel
präsentieren sich die Reste thrakischer Zeiten, Verteidigungsbauten und
öffentliche Gebäude aus hellenischer Zeit sowie mittelalterliche Kirchen und
Gebäude der bulgarischen Renaissance und bilden eine einmalige Atmosphäre.
Die Kirchen wurden während der frühen byzantinischen Periode im 5. bis zum 6. Jahrhundert, sowie während des Mittelalters vom 10. bis zum 14. Jahrhundert gebaut. Die Wandgemälde aus dem 14. bis 18. Jahrhundert haben einen außergewöhnlichen historischen und künstlerischen Wert und zeigen die Traditionen und die Handwerkskunst der Handwerker und Ikonenmaler dieser Zeit. Nessebar, das frühere Mesambria, wurde erstmals urkundlich im Jahre 513 v. Chr. erwähnt. Die Altstadt wurde im Jahr 1983 in das Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen.
Neben Goldstrand und Albena ist auch Sveti Konstantin (St. Konstantin oder – wie vor der Wende „Druschba") ein bekanntes Seebad bei Varna. Sveti Konstantin ist Bulgariens ältester Kur- und Badeort, inmitten einer Parklandschaft aus Linden, Pinien und Zypressen, felsigen Buchten und kleinen geschützten Sandstränden, einem bekannten schwefelhaltigen Mineralpool mit Zugang zum Meer Dorthin führte uns ebenfalls eine selbst organisierte Busfahrt. Jedes der drei genannten Seebäder – Albena, Goldstrand und Sveti Konstanin - hat seine ganz spezifischen Eigenheiten, in Sveti Konstantin ist es irgendwie gemütlicher, auch wenn man im Zentrum selbst ist. Es gibt viele verschlungene Wege entlang des Strandes, auf denen man manchmal kaum anderen Menschen begegnet. Das könnte in Goldstrand wohl nicht passieren.
Ein
großer Höhepunkt war eine gebuchte Bus-Reise nach Baltchik und zum Kap
Kaliakra. Kaliakra ist das längste Kap an der westlichen Schwarzmeerküste und
liegt nördlich von Baltchik: rotgolden schimmernde, wild zerklüftete Felsen
ragen 70 Meter hoch über das Meer. Schon die Thraker hatten hier am Kap eine
Festung errichtet, die von Römern und Byzantinern weiter ausgebaut wurde.
Archäologen haben ihre Reste freigelegt und exponiert für den Besucher
erhalten.
Zur bizarren Schönheit des Felsenkaps gehören Unterwasserhöhlen, wo eine Robbenkolonie ihren Unterschlupf hat. Oberirdische Höhlen beherbergen ein Restaurant und ein Museum, geben ihnen einen ungewöhnlich stimmungsvollen Rahmen.
Vom Kap aus bietet sich ein atemberaubender Blick auf die Schwarzmeerküste, einmal nach Norden in Richtung Rumänien und zum anderen nach Süden in die Bucht von Varna, das man ferne am Horizont erkennt, ein Ort, der die Gewalten des Meeres zu jeder Zeit spüren lässt.
Das
Kap ist durch eine berühmte Sage bekannt. Als die Türken im 14 Jh. Bulgarien
unterjochten, soll sich folgendes zugetragen haben: Nachdem die Türken alle
Verteidiger des Kaps getötet hatten, waren nur noch 40 bulgarische Mädchen am
Leben geblieben. Sie wollten aber keine Sklavinnen der Osmanen werden und liefen
vor den Türken fort. Allen voran lief die schöne Kaliakra. Sie kamen auf das
Kap und wussten keinen Ausweg mehr. Auf der einen Seite erwartete sie der Tod in
den Meerestiefen, auf der anderen Seite - Misshandlungen und die Gesetze des
Islam. Da flochten sie ihre Haare ineinander und warfen sich in den Abgrund. Die
Wellen trugen sie auf die offene See hinaus, aber jede Nacht trieb ihre Liebe
zur Heimat sie wieder zum Felsenufer zurück. Auf geheimen Pfaden erreichten sie
den Gipfel und schlichen sich unsichtbar, in die Festung, um an den
Unterdrückern Rache zu nehmen. Noch heute heißt einer der überhängenden
Felsen "Das Tor der vierzig Jungfrauen".
Von Kap Kaliakra aus fuhren wir wieder in südlicher Richtung
nach Baltchik, der „Weißen Stadt".
Von
den Griechen einst Dionysopolis genannt, erhebt sich die Stadt auf den Terrassen
weißer Kalksteinfelsen. Unter ihnen liegen der kleine Stadthafen und die
größte Marina an der bulgarischen Küste. Hauptattraktion ist jedoch der
ehemalige Sommersitz von Maria, Königin von Rumänien, im heutigen Botanischen
Garten. Erheiternd die baukünstlerische Verrücktheit: der leuchtend-weiße
Schlossturm im Stil eines Minaretts. Dort befindet sich auch die größte
Kakteensammlung des Landes.
Neben den zahlreichen Ausflügen ruhten wir uns auch mal ein bisschen aus – schließlich hatten wir Urlaub und waren auch mal im Schwarzen Meer schwimmen, das in Wirklichkeit gar nicht schwarz ist.
Und jeden Abend bummelten wir an der Strandpromenade entlang, wo es immer wieder was Neues zu entdecken gab.
So vergingen die zwei Wochen Urlaub sehr schnell. Am 13. August hieß es Abschied nehmen. Kurz nach 10.00 Uhr morgens wurden wir von einem Bus abgeholt und zum Flughafen Varna gebracht. Mit Air Via Flug VIM0311 ging es dann in 2 ½ Stunden nach Saarbrücken-Ensheim, wo wir gegen 14.30h ankamen. Ein erlebnisreicher Urlaub hatte sein Ende gefunden!
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