Island

 

Bericht von Volker Willschrey (Dillingen / Saar)

 

 

Schon seit vielen Jahren war es ein Traum von mir eine Reise nach Island, der Insel aus Feuer und Eis und der großen Naturschönheiten zu unternehmen. Verwirklichen konnte ich diesen Traum dank unserer guten isländischen Freunde Erna und Wilfried aus Reykjavík, die uns zu sich eingeladen hatten und uns während unseres Aufenthaltes ein solch atemberaubende Fülle von Naturschönheiten zeigten, dass es für mich eine große Schwierigkeit war, dies in Kürze zu beschreiben.

Begonnen haben wir unsere Reise am 1. Juli 1999. Mit Luxair Flug LG9303 starteten wir um 10.40 morgens von Luxemburg aus nach Frankfurt, wo wir um 11.30h landeten. Um 14.00h ging es von Frankfurt aus weiter nach mit einer Boeing 757 der Icelandair zum internationalen Flughafen Keflavik wo wir um 15.50h Ortszeit (zwei Stunden Zeitunterschied zur mitteleuropäischen Sommerzeit). Dort wurden wir bereits von unseren Freunden und Gastgebern Erna und Wilfried erwartet und zu deren Wohnung im Reykjavíker Stadtteil Holar gebracht. Noch am Abend des gleichen Tages stellte uns  Wilfried in einer kurzen Stadtrundfahrt seine Stadt Reykjavík vor. Dabei kamen wir auch nach Bessastaðir, dem Sitz des isländischen Präsidenten, auch in die nahegelegene Hafenstadt Hafnarfjörður.

 

Für die nächsten 7 Tage hatten Erna und Wilfried ein Ferienhaus in dem Ort Fluðir gemietet, der sich unweit es größten isländischen Flußes þjórsa im Südwesten des Landes befindet. Wir fuhren freitags morgens ab. Mit von der Partie war auch Sólmundur, ein kleines Kaninchen, das Erna und Wilfried’s Tochter Emma ein paar Wochen zuvor gefunden hatte und das seit dieser Zeit bei unseren Freunden zu Hause lebt.

 

Es war ein Tag der absoluten Höhepunkte. Auch das Wetter spielte mit und Islands Himmel zeigte sich in tiefblauer Farbe von seiner schönsten Seite. Unseren ersten Halt machten wir am þingvallavatn, dem größten See Islands. Hier konnten wir zum erstenmal verspüren, wie viel Ruhe die unberührte und fast menschenleere Landschaft Islands auf den Besucher ausübt und wie gut das der Seele tut. Am Nordufer des Sees liegt wohl einer der berühmtesten Stätten Islands, Thingvellir  (þingvellir). Die „Ebenen der Volksversammlung„, so die wörtliche Übersetzung von Thingvellir,  waren der Sitz des alten „Althing„, der höchst richterlichen und gesetzgebenden Versammlung, die von 930 bis zum Ende des 18.Jahrhunderts unter freiem Himmel tagte. Der Lögberg (Gesetzesfelsen), von dem aus die Gesetze verkündet wurden, steht unversehrt in alter Würde. Thingvellir ist im Grunde ein einzige große Lava-Ebene mit einem Teich (Drekkingarhylur), einem Fluß (Öxará), wo einst die weiblichen Gesetzesbrecher ertränkt wurden und einer tiefen Schlucht (Almannagrja). Über Laugarvatn (bekannt für seine heißen Quellen) erreichten wir Geysir. Alle Springquellen der Welt sind nach diesem, dem „Großen Geysir„ benannt, der seine Tätigkeit im frühen 14. Jahrhundert aufnahm und sie von sich aus wohl bis heute nicht eingestellt hätte, wenn es nicht schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts große Mode gewesen wäre, tonnenweise Steine und zahllose persönliche Kleinigkeiten in den Geysir zu werfen. Glücklicherweise gibt es gleich nebenan eine ungemein zuverlässige Springuelle (Strokkur), die alle drei Minuten eine 20 m hohe Fontäne abläßt. Von dort ging es weiter zum Gullfoss. Der Fluß Hvitá bieldet hier zwei der schönsten Wasserfälle der Welt, jeweils 32 m tief, mit atemberaubenden Regenbogen und einem wilden ca 2,5 km langen Canyon. Vor einigen Jahrzehnten hatte ein Engländer das gesamte Gelände vom Bauern Tómas Tómasson erwerben wollen, um ein Kraftwerk zu errichten, doch stritt Sigriður Tómasdóttir, seine Tochter, so beharrlich gegen den Handel an, daß er letzten Endes platzte. Heute hat man ihr oberhalb des Gullfoss ein Denkmal errichtet. 

Vom Gullfoss aus fuhren wir in unsere Herberge für die nächsten sieben Tage in Fluðir. Das Ferienhaus (Nr. 39) hatten Erna und Wilfried vom isländischen Lehrerverband gemietet (Erna arbeitet als Lehrerin in Reykjavík.). Das Ferienhaus war aus Holz gebaut und mit allem Komfort ausgestattet. Dazu gehörte natürlich auch Heißwasserversorgung aus geothermischen Quellen und einen „heißen Pott„ (obligatorisches Sitzbad), wo man auch bei unfreundlichstem Wetter ein warmes Bad genießen konnte.

 Am nächsten Tag unternahmen Wilfried und Erna die größte Fahrt (über 700 km) in Richtung Südost-Island. Sie führte von Fluðir über Hella (hier zeigte uns Wilfried den Bauernhof „Storahof„, auf dem er aufgewachsen war) und Hvolsvöllur zunächst zum Skógafoss, einem malerischen Wasserfall in der Nähe des Dorfes Skógar (mit 60 Meter Fallhöhe gehört er zu den prächtigsten Wasserfällen der Insel) und weiter nach Vik í Mýrdal, einem Ort mit schönen Sandstränden und dem Felsenmassiv Reynisdrangar im Atlantik. Nach kurzer Pause ging’s weiter über Kirkjubæjarklaustur zum Skaftafell, dem Nationalpark im Süden des Vatnajökull, dem mit 8400 km größten Gletscher Europas. Leider war das Wetter ziemlich diesig, so daß wir den nahegelegenen Hvannadalshnúkur, den mit 2119 m höchsten Berg Islands, nicht sehen konnten. Ein großes Erlebnis war ein Spaziergang entlang der Gletscherzunge Svinafellsjökull. Der Höhepunkt jedoch war das Endziel unserer Fahrt, der Gletschersee Jökulsárlón. Aus dem See ragen bis zu 15 Meter hohe Eisberge empor, die vom Gletscher abgebrochen sind. Kleinere Eisbrocken driften im Wasser.

Am nächsten Tag (4. Juli) brachte uns Wilfried zunächst zum Wasserkraftwerk Burfell, einem Wasserkraftwerk am Fluß þjórsa. Von dort aus begaben wir uns zu zwei wiederaufgebauten alten Wikinger-Gehöften: þjóðveldisbærinn und Stöng. Von Stöng aus wanderten wir dann zu den malerischen Wasserfällen von Gjáin und fuhren anschließend zum Hjálpafoss, (Hilfe-Fall)

Einen weiteren Höhepunkt hatten wir am 5. Juli bei unserer Fahrt nach Landmannalaugar im isländischen Hochland. Durch das þjórsa-Tal fuhren wir entlang des wohl bekanntesten und berüchtigsten isländischen Vulkans, der Hekla in Richtung Hochland. Die letzten 30 km fuhren wir eine Piste durch die schwarze Steinwüste. Ein absolutes Erlebnis war ein Krater, der sich plötzlich auftat, als wir vom Wege abwichen und ein wenig den Berg hochfuhren. Darin ein dunkler See – wie der Eingang zu einer anderen mystischen Welt... Die Gegend von Landmannalaugar ist geprägt von heißen Quellen, den Vulkankratern und den bunten Liparitbergen. Die „Quellen der Landmänner„ liegen im Naturschutzgebiet Fjallabak. Sehenswürdigkeiten sind vor allem der Bláhnúkur, der Brennisteinsalda, der idyllische See Frostastaðavatn und ein Flüßchen mit heißem Quellwasser, wo auch ich ein entspannendes Bad nehmen konnte.

Am 6. Juli war unser Ziel der südlichste Punkt Islands, das Kap von Dyrhólaey. Wir hatten einen faszinierenden Blick auf dieses Kap und die schwarzen Sandstrände am Atlantik. Von dort aus besichtigten wir das Museum von Skógar. Dort besichtigten wir das Heimatmuseum, dessen Gründer und Leiter þórður Tómassson die Gäste in das Alltagsleben seiner Landsleute in der Vergangenheit führt.

Der siebte Juli war ein verregneter Tag. So nutzen wir die Chance zu einem Einkauf in Selfoss, der mit  4000 Einwohnern größten süd-isländischen Stadt. Anschließend machten wir noch zwei Abstecher in die beiden nahegelegen Fischerdörfer Eyarbakki und Stokkseyri.

Am 8. Juli hatte sich das Wetter auch nicht gebessert. So warteten wir bis Nachmittag, als der Regen sich legte und fuhren ins nahegelegene Skalholt, wo sich der erste Bischofssitz Islands befand.

Am 9. Juli mußten wir unser Ferienhaus in Fluðir räumen. Über Hveragerði, das durch seine geothermalischen Quellen und die von deren Wasser betriebenen Treibhäuser bekannt ist (wir besichtigten das Treibhaus „Eden„ mit Orangen und Bananenzucht...) kamen wir schließlich wieder nach Reykjavík, der Hauptstadt Islands. Wilfried unternahm wieder eine kleine Stadtrundfahrt, die unter anderem auch zum Höfdi, einem der bekanntesten Häuser Reykjavíks, brachte. Es stet an einer Meeresbucht gegenüber dem 909 m hohen Esja-Berg. Die Isländer sagen, das Höfdi-Haus sei von bösen Geistern verfolgt. Weltweit bekannt wurde das Haus durch das erste Gipfeltreffen zwischen Reagon und Gorbatschow im Jahre 1986.

Reykjavík ist eine sehr schnell wachsende Stadt. In nur 100 Jahren wurde es von einer kleinen Hafenstadt zum Zentrum der Insel – Islands Tor zu Welt. Immer mehr Menschen ziehen vom Lande in die Hauptstadt, so daß dort – im Gegensatz zum Hinterland – ein sehr geschäftiges und reges Treiben herrscht. Am 10. Juli verbrachten wir fast vier Stunden im hypermodernen Kaufhaus Kringlan, in dem sich neben vielen Boutiquen und Geschäften auch das Hard Rock Café Reykjavík befindet. Klar, dass wir dort unsern Capuccino einnahmen..... Vom Kringlan aus fuhren wir in die Stadtmitte und bummelten durch die Geschäftsstrassen Hafnarstræti, Laugavegur und Bankastræti. An den folgenden Tagen besichtigten wir auch weiter Sehenswürdigkeiten der isländischen Hauptstadt, wie das Nordische Haus (Ausstellungen der nordischen Länder Dänemark, Schweden, Finnland, Norwegen, Island, Åland-Inseln, Färöer-Inseln und Grönland) und die Hallgrims-Kirche. Die Form der aus Basaltgestein errichteten Kirche soll Basaltsäulen symbolisieren. Sie ist Reykjavíks imponierendstes Bauwerk. Der Turm ist 75 m hoch und gewährt den besten Rundblick auf die Stadt. Vor der Kirche befindet sich ein Denkmal für Leif Eríksson, dem „Entdecker Amerikas„. Ein weiteres großartiges Panorama der Stadt bietet sich vom Restaurant Perlan, welches auf den  Versorgungsbehältern Reykjavíks für heißes Wasser errichtet wurde.

Ein Besuch im Freilichtmuseum „Árbær„, in dem auf 12,5 Hektar Land Gebäude aus Islands Vergangenheit gezeigt werden, die aus den verschiedenen Teilen Islands hierher transportiert wurden, brachte eine weitere Überraschung: eine Ausstellung alter Oldtimer (auch „Ford„ war mit von der Partie). Das Fernsehen war ebenfalls anwesend uns so konnten wir abends im isländischen Fernsehen ganz überrascht sehen, daß man uns aufgenommen hatte, als wir gerade eines der kleinen Häuser verließen. Ein Höhepunkt für unsere Nadine war ein Besuch im „Haustiergarten„, wo man auch Seehunde bewundern kann.

Auch von Reykjavík unternahmen wir Ausflüge. So fuhren wir am 12. Juli über Keflavik zur Halbinsel Reykjanes, genauer gesagt nach „Reykjanestá„. Die schroff-abfallenden Felsen, das tosende Meer, die vielen Seevögel und die menschenleere Landschaft waren beeindruckend.

Nächstes Ziel war die Blaue Lagune (Bláa Lónið). Man hat dort in der Lava - Landschaft einen künstlichen kleinen See geschaffen, der mit geothermalischem (heißen) Wasser gespeist wird – ein absolutes Vergnügen für den Besucher, dort zu schwimmen, das dank der Wassertemperatur von 40 Grad Celsius auch im Winter möglich ist. Von der blauen Lagune ging es zum Fischerdorf Grindavik und von dort über Schotterstraße nach Krýsuvik. Dort befindet sich eines der tektonisch aktivsten Gebiete Islands, heiße Schlammquellen und Löcher, aus denen der Wasserdampf viele Meter hoch zischt. Erst am nächsten Tage konnten wir lesen, daß zu der Zeit, als wir in Krýsuvik waren, ein Erdbeben vorkam, daß man in Reykjavík noch verspüren konnte. Im fahrenden Auto war uns das nicht aufgefallen.

Am 13. Juli nahm ich die Einladung war, die mir Frau Dora Ingvadottir, Direktorin von Ríkisútvarpið, dem isländischen Rundfunk gesandt hatte. Herr Haraldur Jónasson führte mich durch die einzelnen Radiostudios und Chefingenieur Kristján Benediktsson war anschließend mit behilflich, meine Fragen bezüglich der Kurzwellensendungen von Ríkisútvarpið zu beantworten. Darüber werde ich einen gesonderten Bericht veröffentlichen.

Am Vortag unserer Rückreise (14. Juli) fuhr ich mit Wilfrieds Auto von Reykjavík zum Hval-Fjord. Rund um diesen malerischen Fjord fuhren wir ca. 60 km durch eine atemberaubende Landschaft, die trotz des Regenwetters nichts von ihrer Schönheit einbüßte. Für eine kurze Rast hielten wir an der Kirche von Saurbær. Diese 1957 am nördlichen Ufer des Walfojords gebaute Kirche, ist ein wahres Kleinod. Die Kirchenfenster schmücken Bilder der isländischen Künstlerin Gerður Helgadóttir (1928-1975), die lang in Paris lebte. Die Kirche ist dem größten religiösen Dichter der Isländer Hallgrímur Pétursson (1614-1674) gewidmet.

Die Zeit unseres Island-Aufenthalts war schnell vergangen und so hieß es Abschied nehmen. Erna und Wilfried brachten uns am Morgen des 15. Juli zum Flughafen Keflavik. Mit Flug FI520 der Icelandair hoben wir um 07.50h Ortszeit ab und landeten in Frankfurt um 12.55h Ortszeit. Anschließend ging’s mit Luxair LG9310 um 14.55h nach Luxemburg. Dort landeten wir eine halbe Stunde später, und ich konnte mein Auto, das ich am Flughafen geparkt hatte, wieder in Empfang nehmen.

Zwei unvergesslich schöne Wochen waren vorüber, die uns mit einem Land bekannt machten, daß in seiner Einzigartigkeit und Vielfalt der Naturgewalten wohl ohne seinesgleichen ist. An dieser Stelle unseren großen Dank an unsere lieben Gastgeber und Freunde Erna und Wilfried, ohne deren Hilfe wir wohl nie diese Eindrücke hätten mitbringen können. Wie sagte ein Bekannter zu meiner Frau: „Sie fahren nach Island – da tun sie was für die Seele„ – Treffender kann ich kein Resumée für meinen Besuch finden. Island zu sehen, heißt der große Macht unseres Schöpfers auf jedem Tritt zu begegnen! Alle persönlichen Probleme bleiben ganz fern!

 

 

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