Geschichte Koreas im Überblick

 

 

Könige und Königinnen der alten koreanischen Königsreiche

 

Um 3000 v. Chr.
Stämme aus dem Altaigebirge wandern auf der Koreanischen Halbinsel ein

2333 v. Chr.
Der legendäre, halbgöttliche König Tangun gründet im Norden Koreas das Reich Alt-Chosun

37 v. Chr.-935
Periode der vier Königreiche Koguryo, Paekche, Parhae und Shilla

892-935
Zerfall des Groß-Shilla-Reiches

918-1392
Koryo-Königreich, gegründet von General Wang-Kon und der Buddhismus wird Staatsreligion

1392-1910
Gründung der Chosun - Dynastie,  von General Yi Songgye (posthumer Name, König T´aejo); der Neukonfuzianismus löst den Buddhismus als Staatsreligion ab

1394
Verlagerung der Hauptstadt von Kaesong nach Seoul

1418-1450
Schaffung der koreanischen Schrift (Hangul) unter König Sejong (4. König der Choson-Dynastie)

1592-1598
Periode japanischer Invasionen; Admiral Yi Sun Shin wird mit seinen gepanzerten Schildkrötenschiffen zum Retter Koreas

1627 / 1636
Korea wird erneut von den Manchus überfallen

1637-1894
Das zum Vasallenstaat der Mandschudynastie gewordene Chosun schottet sich als Einsiedler - Königreich von der Außenwelt ab

1910-1945
Kolonialherrschaft Japans über Korea
Unabhängigkeitsbewegung 1. März 1919

1945
Nach der Kapitulation Japans wird Korea in eine von der UdSSR (Norden) und eine von den USA (Süden) beeinflusste Zone aufgeteilt

1948
Ausrufung der Demokratischen Volksrepublik Chosun in Nordkorea und der Republik Korea in Südkorea

25. Juni 1950
Ausbruch des Koreakrieges

27. Juli 1953
Waffenstillstand von Panmunjom. Der 38. Breitengrad bestimmt den  Grenzverlauf, der bis Süd- und Nordkorea teilt

1960
Südkoreas erster Präsident Rhee Syng-Man geht ins Exil nach Hawaii.
Ende der ersten Republik

1969-1981
Zweite, dritte und vierte Republik. Entscheidende Aufbaujahre Südkoreas

25.02.1993
Nach 32 Jahren Militärherrschaft Amtsantritt des demokratisch gewählten Präsidenten Kim Jung- Sam und seiner Zivilregierung

 

Die Legende erzählt, dass 2333 v. Chr. ein Halbgott namens Tan-gun auf der koreanischen Halbinsel ein Königreich namens Choson gegründet hat Die Koreaner sehen dieses Jahr als das Gründungsjahr ihrer Nation an. In den mehr als 4000 Jahren, die seitdem vergangen sind, haben die Koreaner ihre traditionellen Ideen und Werte bewahrt und sich dennoch schnell und geschickt den sich ändernden Bedingungen angepasst. Dieses kurze Kapitel kann der umfassenden koreanischen Geschichte natürlich in keiner Weise gerecht werden, doch wir hoffen, dass der Leser einiges über die Ereignisse erfahren kann, die diese Nation geformt haben.

 

Die Anfänge

Gelehrte sind allgemein der Meinung, dass sich die frühesten Königreiche oder Staaten auf der koreanischen Halbinsel zuerst während der Bronzezeit (1000 v. Chr.-300 v. Chr.) bildeten. Das Königreich, das von Tan-gun gegründet worden sein soll und unter dem Namen Ko-Choson oder Alt-Choson bekannt ist, stellte sich bald, im 4. Jahrhundert v. Chr., als das stärkste heraus.

Als Ko-Choson immer mächtiger wurde, fühlte China sich mehr und mehr bedrängt. Im Jahr 109 v. Chr. begann der chinesische Kaiser Han Wuti  eine Invasion und zerstörte das Königreich im darauffolgenden Jahr. Es wurden vier Kommandanturen eingerichtet, um die nördliche Hälfte der Halbinsel zu verwalten.

Dennoch entstand dort innerhalb eines Jahrhunderts ein neues Königreich namens Koguryo (37 v.Chr.- 668 n.Chr.). Es war eine Nation von Kriegern, die, von angriffslustigen und tapferen Königen wie König Kwanggaet'o (Reg. 391-410) regierte. Nach und nach wurden Nachbarstämme erobert und in nahezu alle Richtungen expandierte man. Es war Koguryo, das die Chinesen 313 n.Chr. endlich aus ihrer letzten Kommandantur Nangnang (Lo-lang auf Chinesisch) vertrieb. Auf dem Höhepunkt seiner Macht reichte das Territorium bis weit in die Mandschurei hinein und erstreckte sich ebenso in die südliche Hälfte der koreanischen Halbinsel.

Ein neues Königreich namens Paekche (18 v. Chr. - 660 n. Chr.) entstand südlich des Flusses Han in der Nähe des heutigen Seoul. Seine Bewohner waren friedlicher als die grausamen Krieger von Koguryo, sie zogen in den Süden, um der Bedrohung durch den nördlichen Rivalen auszuweichen. Im 4. Jahrhundert hatte Paekche sich fest etabliert als ein blühender und zivilisierter Staat, der einen regen Handel mit seinen Nachbarn in Übersee betrieb. In der Tat diente Paekche als wichtige Brücke für den Transport der Kultur des Festlandes nach Japan. Auf diese Weise gelangten der Buddhismus, die chinesischen Zeichen sowie politische und soziale Institutionen dorthin. Ein Gelehrter aus Paekche, mit Namen Wang In, diente dem japanischen Kronprinzen sogar als Lehrer.

 

Shilla (57 v. Chr.-668 n.Chr.), das von China am weitesten entfernt gelegene Reich, war zunächst das schwächste und unterentwickelteste der drei Königreiche. Es verschloss sich am längsten fremden Überzeugungen und Ideen und entwickelte so ein ausgeprägtes Klassenbewusstsein und eine bemerkenswerte Stärke, die sie aus der einzig artigen ,,Hwarang" (Blume der Jugend) - Bewegung und buddhistischen Lehren zog.

In der Mitte des 6. Jahrhunderts hatte Shilla seine Macht und sein Land gefestigt und ging eine Allianz mit T'ang-China ein, um sowohl Koguryo als auch Paekche zu unterwerfen. Die Shilla-T'ang-Streitkräfte waren siegreich und die Halbinsel war 668 n. Chr. zum erstenmal vereinigt. Später schlugen die Überlebenden des Koguryo Königreiches die T'ang-Truppen in der Mandschurei sowie im nördlichen Teil der Halbinsel und gründeten 698 das Königreich Parhae.

Obgleich politisch geteilt, waren die drei Königreiche Koguryo, Paekche und Shilla ethnisch und sprachlich miteinander verbunden. Jedes Reich entwickelte eine ausgereifte politische Struktur sowie ein Rechtssystem und nahm konfuzianische Ethik und buddhistischen Glauben an.

Das Vereinigte Shilla-Reich und Parhae

250 Jahre lang lebte Shilla in Frieden und Wohlstand. Befreit von Sorgen um Konflikte im Inland und Invasionen aus dem Ausland verzeichnete es eine rasche Entwicklung in den Künsten, in Religion, Handel, Erziehung und vielen anderen Bereichen. In der Hauptstadt von Shilla, dem heutigen Kyongju, lebten mehr als 1 Million Menschen, die Stadt rühmte sich ihrer schönen königlichen Paläste und buddhistischen Tempel.

Der Buddhismus lebte unter dem Schutz des Adels und des Hofes auf und übte einen entscheidenden Einfluss auf Staatsangelegenheiten, das künstlerische Schaffen und die Moralvorstellungen aus. Einige der herausragenden historischen Denkmäler werden der Kreativität und dem religiösen Eifer der Künstler dieser Zeit zugeschrieben. Zu ihnen zählen der Pulguk -Tempel und der Sokkuram Grottenschrein, beide in der Nähe von Kyongju gelegen.

Shilla erreichte den Höhepunkt seines Wohlstandes und seiner Macht Mitte des 8. Jahrhunderts, danach ließen diese jedoch beständig nach. Konflikte innerhalb des Adels verstärkten sich, während Rebellenanführer Ansprüche auf die zerstörten Dynastien von Koguryo und Paekche anmeldeten.

935 trat der König von Shilla seine Macht an, und Wang Kon (posthumer Name, König T'aejo), den Gründer der Koryo-Dynastie ab.

Das politische System Parhaes ähnelte dem des T'ang-Reiches und seine Hauptstadt Sanggyong war dessen Hauptstadt Chang-an nachempfunden. Seine Kultur war sowohl vom T´ ang- als auch vom Koryo-Reich beeinflusst. Als Parhae Anfang des 10. Jahrhunderts von den Khitanen überrannt wurde, suchte seine regierende Klasse Zuflucht in dem neu gegründeten Staat Koryo.

 

Koryo

 

Der Monarch Wang Kon, der Koryo (918-1392) gründete, hatte als General unter einem Rebellenprinzen aus Shilla gedient. Er wählte seinen Geburtsort Songdo, heute Kaesong (60 km nördlich von Seoul gelegen) als Hauptstadt seines Königreiches und proklamierte die Rückeroberung des verlorengegangenen Territoriums von Koguryo in der Mandschurei als Teil seiner Politik. Aus diesem Grund nannte er sein Reich Koryo, woraus sich der moderne Name Korea ableitet. Von Beginn an nahm der Königshof den Buddhismus als Staatsreligion an. Dieser blühte auf und hatte auf Tempelbauten, die Gestaltung von Buddhafiguren sowie auf die Ikonenmalerei einen großen Einfluss. Doch die Mönche übten zuviel Macht aus, und in späteren Jahren schwächten Konflikte zwischen gelehrten Beamten und Kriegern sowie zwischen Konfuzianern und Buddhisten das Königreich. Die Einfälle der Mongolen, die 1231 begannen, führten schließlich nahezu ein Jahrhundert lang zur Besetzung Koryos.

 

Choson

 

Der Konfuzianismus wurde etwa mit Beginn der christlichen Zeitrechnung in Korea eingeführt, ungefähr zu derselben Zeit, als die ersten geschriebenen Aufzeichnungen aus China auf die Halbinsel gelangten. Dennoch wurde der Konfuzianismus erst in der Choson-Dynastie (1392-1910) in der koreanischen Gesellschaft dominierend.

Der Gründer der Choson - Dynastie, Yi Songgye (posthumer Name, König T'aejo), nutzte den Einfluss der koreanischen Intellektuellen, um mit ihrer Hilfe die Koryo - Dynastie zu stürzen. Er verlegte 1394 die Hauptstadt von Kaesong, wo der Buddhismus immer noch sehr einflussreich war, nach Seoul und machte es somit zu einer der ältesten Hauptstädte der Welt. Danach durchdrang der Konfuzianismus alle Bereiche des Lebens.

Die Herrscher der Choson- Dynastie regierten mit einem ausgewogenen, hochentwickelten politischen System, das auf den konfuzianischen Prinzipien von Regierung und Verwaltung beruhte. Wer Regierungsbeamter werden wollte, musste das sogenannte Kwago, das Examen für den Staatsdienst, bestehen, in dem die Kandidaten in der klassischen Literatur Chinas geprüft wurden.

Der Konfuzianismus war auch bestimmend in der strengen Sozialstruktur. In der Regel war ein akademisches Studium gesellschaftlich hoch angesehen, während Handel und Handwerk gering geachtet wurden. An der Spitze stand die Klasse der Yanghan, der gelehrten Aristokraten, die in Regierung, Militär und Gesellschaft dominierend waren. Ihnen folgten die Chungin,die Mittelklasse, der Akademiker wie Regierungsbeamte, Doktoren, Anwälte und Künstler angehörten. Die Sangin oder die gewöhnlichen Leute, die den größten Teil der Bevölkerung ausmachten, bildeten die nächste Rangstufe. Es waren hauptsächlich Bauern, die Land zum Bewirtschaften erhielten. Kaufleute und Handwerker zählten ebenfalls zu dieser Klasse. Zur untersten Schicht, den Ch´onin, zählten die Leibeigenen, Diener oder Sklaven, die als von niedriger Geburt oder als aussätzig angesehen wurden.

Als Höhepunkt der Choson - Dynastie wird für gewöhnlich die Herrschaft König Sejongs (Reg. 1418-1450), des 4. Monarchen der Choson - Dynastie angesehen. Während seiner Herrschaft erlebte Korea ein beispielloses Aufblühen seiner Kultur und seiner Künste, einschließlich der Erfindung des Han-gul, des koreanischen Alphabetes, sowie zahlreiche andere Erfindungen und fortschrittliche Ideen im Bereich der Regierung und der Verwaltung, der Wirtschaft, Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften, Musik und Medizin. Im späten 16. Jahrhundert jedoch überrannte eine Horde japanischer Invasoren, angeführt vom Kriegsherrn Toyotomi Hideyoshi, auf dem Weg nach China den größten Teil des Choson - Reiches. Die Halbinsel war zum überwiegenden Teil zerstört und viele Kulturschätze und kunsthandwerkliche Gegenstände wurden damals geraubt. Zusätzlich wurden viele koreanische Künstler, insbesondere Töpfer, gewaltsam nach Japan verschleppt, was zu einem Aufblühen der japanischen Keramikherstellung führte. Koreanische Patrioten leisteten erbitterten Widerstand, und dank solcher Helden wie Admiral Yi Sun-shin waren sie in der Lage, die japanischen Versorgungslinien abzuschneiden. Mit dem Tode Hideyoshis begannen die Japaner, sich zurückzuziehen, und der Krieg, der sich auf Korea verheerend auswirkte, endete schließlich 1598.

 

Korea wurde erneut 1627 und 1636 von den Mandschus überfallen, die schließlich das Ming Reich in China eroberten und die Ch'ing Dynastie gründeten (1644-1911). Ungefähr zu dieser Zeit gewann eine Bewegung namens Sirhak oder ,,Schule des Praktischen Lernens", die einen Weg zur Schaffung einer modernen Nation beschritt, unter den liberal gesinnten Gelehrten und Beamten zunehmend an Einfluss. Sie empfahlen dringend eine Modernisierung von Landwirtschaft und Industrie sowie durchgreifende Reformen in der Landverteilung.

Unglücklicherweise waren diese Intellektuellen nicht an der Macht, und die konservative Regierung versäumte es, diese Ideen in die Tat umzusetzen. So blieb Korea zunächst ein ,,Einsiedler-Königreich", unerbittlich abgeschottet gegenüber dem Westen und seinen Ideen, seiner Technologie, Diplomatie und seinem Handel. In der Folge war Korea jedoch bereit, sich dem raschen Wandel der Ereignisse zu stellen, als Japan China, Koreas Schutzmacht, besiegte. Japan, das sich zur neuen industriellen Macht in Asien entwickelt hatte, annektierte Korea im Jahr 1905 und machte es 1910 zu seiner Kolonie. Dies war das Ende der Choson - Dynastie.

 

Die Japanische Besetzung, Zeit der Diskriminierung und die Unabhängigkeitsbewegung

 

Die japanische Zentralregierung in Seoul war hauptsächlich an einer wirtschaftlichen Ausbeutung interessiert. Japanische Bauern und Fischer erhielten koreanisches Land gratis oder zu niedrigen Preisen. Große Mengen Reis wurden nach Japan exportiert und die Koreaner sahen sich mit einem schwerwiegenden Mangel an Nahrungsmitteln konfrontiert. Ihr Lebensstandard sank drastisch, Hunderttausende koreanischer Bauern waren gezwungen, in die Mandschurei oder nach Japan zu gehen, obwohl sie dort auch kein einfacheres Leben erwartete.

Die Kolonialherrschaft ließ den Nationalismus unter den Koreanern wachsen. Am 1. März 1919 war im Pagoden- Park in Seoul eine Unabhängigkeitsdeklaration verlesen worden, unzählige Koreaner hatten Flaggen gehisst und waren durch die Straßen von Seoul marschiert. Dabei riefen sie in Sprechchören: Lang lebe die koreanische Unabhängigkeit! (Daehan Dongnip Manseh). Nach den ersten Demonstrationen der 1. März-Bewegung in Seoul beteiligten sich im Laufe eines Monats über 2 Mio. Menschen an 1500 in 211 Bezirken abgehaltenen Manseh - Kundgebungen. Japan ignorierte allerdings die Forderungen der Koreaner bei friedlichen Demonstrationen, statt dessen mobilisierten sie Polizei- und Armeestreitkräfte. Die Demonstranten wurden niedergemetzelt, Dörfer, Kirchen und Schulen eingeäschert. In einem Dorf wurden die Dorfbewohner in die Kirche getrieben, die dann in Flammen aufging. Keiner überlebte.

Diese Aktion, später bekannt unter dem Namen ,,Unabhängigkeitsbewegung 1. März" war ein Meilenstein im Kampf Koreas für die Freiheit. Obwohl sie ihr Ziel verfehlte, die Japaner abzusetzen, stärkte sie doch das Gefühl des koreanischen Volkes für nationale Identität und Patriotismus und führte zur Bildung einer ,,Provisorischen Regierung" in Shanghai und einem organisierten bewaffneten Kampf gegen die japanischen Kolonialherren in der Mandschurei. Japan betrieb eine Politik der Assimilation der Koreaner an die japanische Kultur. In koreanischen Schulen wurde die japanische Sprache Unterrichtssprache, die Koreaner wurden gezwungen, japanische Namen anzunehmen. Dennoch bewahrte das koreanische Volk seine kulturelle Identität. Auch in dieser Zeit wurden viele Nationalschätze und kunsthandwerkliche Gegenstände nach Japan gebracht, sie sind bis heute noch nicht zurückgegeben worden.

Während der japanischen Kolonialmacht war die Diskriminierung der Koreaner unverhüllt. Japaner erhielten für die gleiche geleistete Arbeit zwei bis 2,5 mal soviel Lohn wie der Koreaner. Für Bankkredite mussten Koreaner 25% mehr Zinsen entrichten und Steuerfreiheit und Subventionen gab es nur für Japaner. Mehr als 50.000 japanische Beamte, die nahezu 80% der führenden Positionen besetzten, leiteten die Verwaltung. Die Koreaner wurden nur als Schreiber und Boten zugelassen.

Machthaber bis buchstäblich ins letzte koreanische Dorf war der japanische Polizist. Die Polizeichefs hatten das „Recht", Strafen bis zu drei Monaten Arrest zu verhängen und Gefangene auspeitschen zu lassen. Die Mittel und Methoden die gegen Gesetzesverbrecher und gegen Widerstandskämpfer angewendet wurden, lassen sich nur mit den grausamen Foltermethoden des Naziregimes vergleichen. Hunderttausende Koreaner zogen die Auswanderung dem Leben in dieser Hölle vor. Sie siedelten sich vornehmlich in Sibirien und in der Mandschurei an, viele gingen auch nach Japan.

Am Ende der japanischen Okkupation waren noch 8% des Industriekapitals in koreanischem Eigentum, und auf diese Betriebe entfiel noch 6% des Bruttowerts der industriellen Produktion. Besonders verheerend waren die Folgen der japanischen Herrschaft in der Landwirtschaft. Etwa 90000 Großgrundbesitzer hatten mehr als die Hälfte der besten Reisanbaugebiete an sich gerissen, während zweieinhalb Millionen koreanischen Bauern, davon 66% als Pächter auf Zwergwirtschaften in der Größe von höchstens ½ ha. vegetierten.

Die Pächter mussten 50 – 80% der Ernte an den Gutsherrn abliefern und obendrein verschiedene Steuern und Abgaben entrichten. Korea war die Reiskammer Japans. Während der Nahrungsmittelverbrauch in den Jahren 1931 – 1945 um 45% geringer war als in der Periode 1916 – 1920, war im gleichen Zeitraum der Reisexport nach Japan von 14 auf 45% der Produktion gestiegen

Die Gründung der Republik

Am 15. August 1945 ergab sich Japan bedingungslos den alliierten Streitkräften, kurz nach dem Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki. Daraufhin wurde Korea schließlich befreit und gewann seine Unabhängigkeit nach 35 Jahren Kolonialherrschaft zurück. Die koreanische Bevölkerung war überglücklich, doch diese Freude war nicht von langer Dauer.

Ideologische Konflikte brachen aus, und die Bevölkerung war sich uneins darüber, wer regieren sollte. Im Zuge einer Vereinbarung, die auf der Potsdamer Konferenz im Juli 1945 getroffen worden war, besetzte die Sowjetarmee eilends den nördlichen Teil der Halbinsel, während die US-Streitkräfte in den südlichen Teil einzogen.

Am 10. Mai 1945 wurden im Süden allgemeine Wahlen abgehalten, und am 15. August wurde die Taehan Min-guk oder Republik Korea offiziell gegründet mit Seoul als Hauptstadt und Syngman Rhee als ersten Präsidenten. Beinahe zur gleichen Zeit wurde im Norden ein kommunistisches Regime mit Kim Il-Sung als Führer mit absolutem Machtanspruch etabliert. Am 9. September 1948 wurde die Choson Minjujuui Jnmin Kongwhaguk oder Demokratische Volksrepublik Korea offiziell gegründet mit Pyongyang als Hauptstadt.

Am 25. Juni 1950 startete Nordkorea einen durch nichts begründeten Großangriff auf den Süden. Nach anfänglichen Erfolgen wurden die nordkoreanischen Streitkräfte von den vereinten UN-Armeen zurückgeschlagen und bis zum Fluss Amnokkang zurückgedrängt. Daraufhin intervenierte die Volksrepublik China, und bald standen sich beide Seiten in einer Patt-Situation in der Nähe des 38. Breitengrades gegenüber. Eine Waffenstillstandserklärung wurde am 27. Juli 1953 unterzeichnet. Damit waren die Kämpfe beendet. Während des 3 Jahre währenden Krieges wurde das ganze Land verwüstet und die Wirtschaft vernichtet. Millionen Menschen waren ohne Zuhause und von ihren Familien getrennt. Der Schaden war jedoch weitaus größer, da in diesem Krieg Koreaner gegen Koreaner gekämpft und so die Teilung zwischen Nord und Süd gefestigt hatten. Der Krieg hat Narben hinterlassen, die bis heute nicht verheilt sind. Nach dem Krieg sah sich das Land zahlreichen Problemen gegenüber. Syngman Rhee wurde zunehmend autokratisch und dominierte in den späten 50er Jahren in der Politik. Es gab Protestdemonstrationen, und am 19. April 1960 brach der von den Studenten angeführte und später unter dem Namen ,,Revolution vom 19. April" bekannt gewordene Aufstand aus, der zum Rücktritt Syngman Rhees führte.

Die Verfassung wurde geändert, und im August 1960 wurde Yun Po-sun als Präsident der 2. Republik mit Chang Myon als Ministerpräsidenten vereidigt. Seine Amtszeit war jedoch nur kurz, da am 16. Mai 1961 General Park Chung Hee durch einen Militärputsch die Kontrolle über die Regierung übernahm. Später wurde er zum Präsidenten gewählt. Unter seiner Führung nahm eine rasche wirtschaftliche Entwicklung ihren Anfang.

1972 ließ Park unter dem Yushin-System oder dem ,,System der wiederbelebenden Reformen" die Verfassung erneut ändern und rief so die 4. Republik ins Leben. Das Yushin-System verlieh Park noch mehr Macht und erlaubte ihm, diese Macht quasi unbegrenzt auszuüben.

Unzufriedenheit mit der politischen Unterdrückung und den wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten führten zu seinem Tod. Park wurde ermordet und Ministerpräsident Choi Kyu-hah amtierender Präsident. Seine Regierungszeit war jedoch extrem kurz. Am 12. Dezember 1979 kam General Chun Doo Hwan durch eine staatsstreichähnliche militärische Revolte an die Macht und wurde später, am 27. August 1980, zum Präsidenten gewählt. 
Im Mai 1980 entwickelte sich in der südlich gelegenen Stadt Kwangju ein pro - demokratischer Aufstand, der später als ,,Kwangju Demokratiebewegung" bekannt wurde. Viele, die gegen Chuns autokratische Methoden protestierten und für Demokratie kämpften, wurden getötet oder durch die Truppen verwundet, die zur Niederschlagung des Aufstandes entsandt worden waren. Die Brutalität, mit der dies geschah, versetzte die Öffentlichkeit in Rage. In der Mitte der 80er Jahre entstand eine breite Massenbewegung, in der sich studentische Demokraten, Arbeiter, Oppositionspolitiker, Hausfrauen und andere betroffene Bürger im Protest gegen Chun zusammengeschlossen hatten. Ihre Rufe nach direkten Präsidentschaftswahlen und Demokratie konnten nicht länger überhört werden. Am 29. Juni 1987 gab Roh Tae Woo, der Führer der regierenden Demokratischen Gerechtigkeitspartei (DGP) die ,,Erklärung politischer Reformen vom 29. Juni" bekannt, die die ersten direkten Wahlen eines Präsidenten in 16 Jahren vorbereitete. Doch splittete Uneinigkeit zwischen den Oppositionsführern die Stimmen der Opposition, und Roh Tae Woo wurde zum Präsidenten der 6. Republik gewählt.

Eine Vielzahl von Maßnahmen wurde ergriffen, um den autoritären Charakter der Regierung zu mildern. In dieser Zeit ( 17. September - 02. Oktober 1988) fanden die 24. Olympischen Spiele in Seoul statt. Die erfolgreiche Durchführung der bis dahin größten Olympiade wies auf das Auftreten der Republik als Akteur auf der Weltbühne hin.

Am 25. Februar 1993 kam Kim Young-Sam an die Regierung, der erste Präsident ohne militärische Vergangenheit seit mehr als 30 Jahren. Kim Dae-Jung wurde im Dezember 1997 zum Präsidenten gewählt und am 25. Februar 1998 in sein Amt eingeführt. Er nennt seine Regierung ,,Regierung des Volkes". Es war die erste friedliche Machtübergabe zwischen einer Regierungs- und einer Oppositionspartei in den 50 Jahren moderner koreanischer Politik seit der Befreiung von den Japanern 1945.

 

Übersetzung der Nationalhymne:

1. ) Bis das Meer des Ostens ausdörrt und der Paektusan-Berg abgetragen ist, möge Gott Korea schützen.

(Refrain) Wir Koreaner werden immer  wachen über unser Land mit seinen Flüssen und Bergen, auf denen die Sharonsrose blüht.

2.) Wie die wetterfeste Kiefer auf dem Namsan-Berg, wie die unveränderliche Stimme des Windes so sei unser Wesen, fest und unbeugsam.

3.) Wir bleiben treu wie die Unendlichkeit, wie die Reinheit und Weite des Herbsthimmels, wie der klare Schein des Mondes.

4.) Mit unserem Wesen und ergebenem Herzen wollen wir unser Vaterland lieben in der Not ebenso wie in Zeiten des Glücks.

 

die südkoreanische Hymne als Midi-File

 

(Quellen: 38 mal Korea, Tatsachen über Korea, Hallo aus Korea, Sendereihe "Geschichte Koreas" sowie "Korea, die letzten 100 Jahre" von Radio Korea International)

 


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