Die Schönheit des Hanbok kommt erst richtig zum Ausdruck, wenn Koreaner diese Tracht tragen. Vielleicht deshalb, weil es in den zweitausend Jahren seines Bestehens Korea und den
Koreanern ähnlich geworden ist. Das Hanbok ist die Kristallisierung der koreanischen Kultur, die die sanften Linien der koreanischen Berglandschaft und den Alltag der Koreaner, die lange Zeit im
Sitzen arbeiten, im unverfälschten Zustand übernommen hat.
Unter den Kleidern, deren Tradition nicht zwischendurch abgebrochen wurde, ist
Hanbok die
älteste Kleidung. Man findet Hanbok in den Wandgemälden der alten Gräber zur Zeit
Koguryos,
einem der drei geteilten Königreiche 37 vor bis 668 nach Christi. Und man trug es schon bevor
darüber geschrieben wurde. Es gibt über zweitausend Aufzeichnungen über die Geschichte des
Hanbok. Weltweit gibt es allerdings nur sehr wenige Trachten die über mehr als vier Jahrhunderte
überlebt haben. Wenn die Herrschaft eines Volkes von einem anderen Volk entrissen wird, dann
wechselt in den meisten Fällen auch die gesamte Kultur und mit ihr auch die Bekleidung.
Die Grundbekleidung des Hanbok besteht bei den Frauen aus einem langen Rock, der von der Brust angefangen bis zu den Knöcheln reicht und einem kurzen Jäckchen. Die Männer tragen eine Hose und ein Sakko, das die Taille bedeckt. Je nach Zeitalter werden das Jäckchen oder das Sakko länger oder kürzer, und je nachdem was man darüber trägt und wie man sich schmückt wird man eine scheue Braut, ein Kommandant der über ein Heer befiehlt oder aber auch ein regierender König. Die Schönheit des
Hanbok machen allerdings der Rockmantel und der Hosenmantel aus.
Eine Frau in weißem Rockmantel tanzt den Tanz zur Beschwörung der bösen Geister, der auch
Handtuchtanz genannt wird. Wenn sie die Arme ausbreitet und das weiße Tuch hochhebt, dann
tritt das niederhängende runde Unterteil des Rockmantels von der Achselhöhle bis zum Ärmel
zum Vorschein. Den Schritten der Tänzerin folgend erzeugen die Rockfalten kleine und große
Wellen. Wenn die Tänzerin den Rock leicht anhebt, erscheint darunter die leicht nach oben
gekrümmte Strumpfnase, die die Schönheit der Linien vollendet. Das wichtigste ist die Schönheit der Linien. Traditionelle koreanische
Kleider werden nach dem Flachschnitt hergestellt und geradlinig zugeschnitten. Die geraden Linien, der ebenmäßige Randschnitt und der herunter hängende Streifen unterhalb des Ärmelsaums harmonisieren auf natürliche Weise. Beim Laufen entstehen Falten, und mit jeder Bewegung verändern sich auch die Linien. Daher sagen die Koreaner, dass die Schönheit des
Hanbok auf den Linien beruht. Die Linien des ebenmäßigen Randschnitts der Jacke oder die natürlichen Rundungen des wehenden Rockes, sowie die Linien des herabfallenden Bindfadens ...... Das ist die Schönheit der Linien.
Die natürliche Schönheit der Linien entsteht durch den flachen Schnitt. Anders als der westliche
Schnitt, bei dem der Stoff dem Körper angepasst wird, kann das Hanbok flach auf dem Boden
ausgebreitet werden. Der proportionale Spielraum inszeniert die freie Schönheit der Linien.
Wenn wir den Hanbok - Rock ausbreiten, ist es nur ein Stück quadratischer Stoff. Dieser Stoff wird um den Körper gewickelt und man ihn bis zu 30mal variieren. Die kubisch geschnittene
Kleidung kann nicht auf diese Weise rekonstruiert werden. Bei der koreanischen Kleidung kann
man den restlichen Saum falten oder zusammenhalten, so wie man es möchte. Man kann es
daher als Schönheit der offenen Struktur bezeichnen. Dies ist sehr wichtig, um die alltägliche
Individualität und Eigenständigkeit zu erhalten.
Im Koreahaus in Seoul wird montags und freitags eine traditionelle Hochzeit gezeigt, die man
heutzutage nicht mehr so häufig sehen kann. Die farbenprächtig gekleidete Braut verleiht dem
wichtigsten Tag des Lebens einen besonderen Glanz. Das Brautgewand besteht aus Seide, auf
dem eine Glückwunsch-Stickerei eingenäht. Vor allem die weiblichen Touristen interessieren
sich sehr für das Brautgewand.
Auch die glänzenden Farben markieren die Schönheit des Hanbok. Die Farben des
Hanbok sind
stark und zugleich ruhig. Dies ist ein Geschenk der vier Jahreszeiten, die in Korea sehr
ausgeprägt sind. Es sind feine und weiche Farben, die man weder beim japanischen Kimono
noch beim indischen Sari findet. Natürliche Stoffe wie Ramie und Seide und dazu natürliche
Farbstoffe wie Indigo oder Gardenie, die auch als Heilmittel angewendet werden, erzeugen die
eigentümliche Wärme der Farben des Hanbok.
Je nachdem welcher Beizstoff unter welchen klimatischen Bedingungen vorhanden ist,
entsteht
aus dem gleichen Indigo eine ganz andere Farbe. Indien verwendet Kuhfladen als Beizstoff. In
Korea wird Reisstroh und in Japan Kalk zum Beizen verwendet. Es gibt zum Beispiel sehr viele
Blautöne. Manchmal wird für einen bestimmten Blauton der Name eines Landes zugeordnet. Das
koreanische Blau hat etwas ganz Besonderes. Es ist ein tiefes Blau mit rotem Ton,
ein sozusagen unendliches Blau.
An den wichtigsten Tagen des Lebens erweisen Koreaner ihre Höflichkeit immer noch in der traditionellen Tracht
Hanbok. Das erste Jäckchen des neugeborenen Säuglings trägt in Korea die Formen des
Hanbok. Bei der Hochzeit, dem wichtigsten Tag im Leben oder am sechzigsten
Geburtstag tragen die KoreanerInnen das Hanbok. Aber nicht nur bei den feierlichen Angelegenheiten des Menschenlebens, sondern auch nach dem Tod wird man in ein
weißes Hanbok- Sterbekleid gehüllt. Hanbok ist daher die rituelle Bekleidung zu allen feierlichen Begebenheiten.
( aus dem Kulturforum von Radio Korea International September 2001 )
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