Ein Bericht von Volker Willschrey ( Dillingen / Saar )

 

 

Seit mehr als 31 Jahren bin ich Hörer der deutschsprachigen Programme von Radio China International (CRI) aus Beijing, der Hauptstadt der Volksrepublik China. So war ich ziemlich verwundert, als ich Ende August eine Email von Herrn Sun Jingli, Leiter der deutschen Abteilung dieses Senders erhielt, der mir mitteilte, dass er mich am nächsten Tage anrufen wollte. Ich war natürlich neugierig, was wohl der Grund dafür sei und staunte nicht schlecht, als ich am nächsten Tage gefragt wurde, ob ich nach China kommen könnte. Grund war, dass ich an einem Quiz von Radio China International teilgenommen hatte mit dem Thema „30-jähriges Bestehen der diplomatischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik China“ und zusammen mit einem weiteren Hörer – Thomas Schneider aus Freiburg – Gewinner einer einwöchigen Reise nach und durch China war.

 

In kurzer Zeit hatte ich alle erforderlichen Papiere (Visa etc.) zusammen, und am 9. Oktober 2002 begann das „Abenteuer“. Gegen 15.00h wurde ich von einem lokalen Flughafenzubringer in Dillingen abgeholt, der mich zum Frankfurter Flughafen brachte. Dort wartete bereits Thomas Schneider, der zweite Preisträger dieses Wettbewerbs auf mich. Ich gab mein Gepäck auf und wir hatten noch ein bisschen Zeit, denn unsere Maschine, eine Boeing 747 der China Airlines (Flug CA0932) startete erst um 20.15h Ortszeit. Nach etwas mehr als 9 Stunden Flugzeit (Strecke führte über Sibirien und die Mongolei) landeten wir wohlbehalten am 10. Oktober 2002 auf dem Beijing Capital Airport, wo uns bereits Herr Sun Jingli von der deutschen Abteilung  von CRI und Herr Ye Jianhua (unser Fahrer während unseres Aufenthaltes in Beijing) erwarteten. Die beiden brachten uns in das in der Nähe des Beijinger Flughafens gelegene „Sino Swiss Hotel“.  Wir brachten unser Gepäck auf Zimmer (945) und machten uns frisch. Dann begann sofort unser offizielles Programm, gleich mit einem der absoluten Höhepunkte für jeden China-Reisenden, einem Besuch der Großen Chinesischen Mauer. 

Große chinesische Mauer, Volker Willschrey, Sun Jingli, Thomas SchneiderDie heutige Mauer wurde im Wesentlichen ab 1368 bis ins 15. Jahrhundert errichtet und sollte vor den aus China vertriebenen Mongolen schützen. Sie ist mit 7,30m Höhe und 5,50 m breiter Krone größer als ihre Vorgängerinnen. Der Grenzwall zieht sich über 6000 km hin. Wir kamen in Badaling zur Mauer und nutzten die seit einigen Jahren errichtete Seilbahn, um zur Mauerkrone hochzufahren. Der Gang auf der Mauer ist gar nicht so einfach, da der Steigungswinkel enorm stark ist und man sich nur schwer und durch Abstützen auf das Geländer bewegen kann. Ein erhebendes Gefühl, an diesem Platz zu sein, von dem man sagt, dass er als einziges menschliches Bauwerk mit bloßem Auge vom Mond her zu erkennen ist. Der während unseres Besuchs vorhandene Nebel ließ das Ganze mystisch werden.

 

 

Von Badaling brachte uns Herr Yu wieder nach Beijing zurück. Abendessen hatte man für uns im Restaurant „Lulu“ restauriert, das sich auf die Schanghai-Küche spezialisiert hat. Gastgeber an diesem Tag war Herr Chin Minyi, Vizeintendant von CRI. Auch Herr Xin Liancai, Leiter der Abteilung für auswärtige Angelegenheiten von CRI, Frau Chen Wei, Herr Hoang Gang und weitere Mitarbeiter der deutschen Abteilung waren anwesend und selbstverständlich auch Jingli, der bis zum 13. Oktober bei uns bleiben konnte. Anschließend wurde Essen vom Feinsten aufgetischt, und Herr Chin Minyi, der sich zwischen Thomas und mich gesetzt hatte, ließ es sich nicht nehmen, uns von allen Leckerbissen, die auf den runden Tisch mit Drehplatte kamen, etwas auf den Teller zu geben.   

 

Es war schon relativ spät, als das Essen zu Ende war und wir wieder im Hotel kamen. Der erste Schlaf seit Deutschland tat gut und war viel zu kurz....

Feier der deutschen Botschaft in Beijing: chinesischer DrachentanzAm Morgen des 11. Oktober 2002 hieß es schon wieder aus-checken aus dem Hotel, denn man hatte für uns einen Flug nach Nanjing in der Provinz Jiangsu gebucht. Was uns dort erwarten sollte, war ein Geheimnis. Doch zuerst fuhren wir wieder in Richtung Stadtmitte Beijings, genauer gesagt zum Milleniums - Denkmal. Dort fand gerade eine Ausstellung deutscher Joint Ventures in der Volksrepublik China statt. Der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland hatte uns  höchstpersönlich eingeladen  zur Feier des 30. Jahrestages der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik China. Zu diesem Anlass waren auch einige Reden vorgesehen, es sprachen der Botschafter Deutschlands, der stellvertretende chinesische Außenminister Qiao Zonghuai und Walter Scheel, vor dreißig Jahren als deutscher Außenminister federführend für die Unterzeichnung des Vertrags. Es waren viele Vertreter deutscher Firmen sowie des diplomatischen Korps eingeladen. - Die Reden waren kurz und interessant gehalten, so dass der offizielle Teil der Feierlichkeit schnell vorbei war. Für die Zeit danach hatte man ein großes Büffet mit chinesischen Köstlichkeiten, aber auch deutschen Gerichten (Schwein am Spieß, Bierstadt mit Erdinger Weißbier etc) aufgebaut. Zu alle dem gab es Darbietungen chinesischer Folklore: Musik, Drachentanz etc. 


Wir nahmen zusätzlich auch die Gelegenheit wahr, uns die Ausstellung deutscher Joint Ventures in China anzuschauen, die man in der Milleniums-Halle vorstellte. Auch hatten einige der deutschen Bundesländer die Chance genutzt, sich dem Besucher vorzustellen.

Relativ früh mussten wir die Stätte wieder verlassen. Es ging wieder zum Beijinger Capital Airport zurück, wo wir gegen 15.00h mit einer Boeing 737 der Air China (Flug CA1561) ins ca 900 km südlich gelegene Nanjing abflogen. Dort wartete bereits Herr Zhang Jianmin auf uns, Journalist und Sprecher von Radio Zhenjiang. Wir wurden ins ca. 100 km entfernt gelegene Zhenjiang gebracht. Wie uns Herr Zhang sagte, ist Zhenjiang eine chinesische Kleinstadt (immerhin 3 Millionen Einwohner) in der Provinz Jiangsu, etwa 200 km von Schanghai entfernt am Yangtze Fluss gelegen. Berühmt ist die Stadt für ihre Essig-Produktion. Zhenjiang hat auch eine Städtepartnerschaft mit der deutschen Stadt Mannheim. Jeder von uns bekam gleich zu Anfang auch eine große Tasche mit einer Selektion verschiedener Arten des Zhenjianger Essigs mit.

Ausstellung Zhenjiang: Thomas, Jingli und VolkerNach etwa 1 ½ Stunden kamen wir in Zhenjiang an und fuhren unmittelbar zum zentral gelegenen „Zhenjiang Hotel“ (Zimmer 1512).

In Zhenjiang gab es während der nächsten Tage einige Gründe zum „Feiern“, wir waren für alle diese „Events“ als Ehrengäste dabei. Als erstes wurde noch am gleichen Abend unserer Ankunft in einem Kongressraum eines nahegelegenen Hotels eine Fernsehserie mit dem Titel „100 chinesische Städte“ eingeweiht, in der man auch Zhenjiang vorstellen wollte. Dazu gab es eine entsprechende Pressekonferenz, an dem nicht nur der Oberbürgermeister der Stadt, aber auch Vertreter der Provinz Jiangsu und Herr Su Kebin, CRI Vizeintendant teilnahmen. Höhepunkt war die Vertragsunterzeichnung und das Durchschneiden eines roten Bandes um eine symbolisch aufgestellte Kamera.

 Zum Abendessen saßen wir zusammen mit Herrn Su und vielen anderen Mitarbeitern des chinesischen Rundfunks und Fernsehens. Es wurde viel auf das Wohl der Teilnehmenden angestoßen und gescherzt

 

Zhenjiang, Pagode auf dem "Goldenen Hügel": Thomas Schneider, Sun Jingli, Volker WillschreyFür den Morgen des 12. Oktober 2002 stand die Eröffnung der Wirtschafts-, Handels und Tourismusmesse Zhenjiang 2002 an. Mit über 30 Fahrzeugen wurden die Ehrengäste zum Veranstaltungsort gebracht. War schon ein bisher völlig unbekanntes Gefühl, dass die Straßen für unseren Konvoi gesperrt waren und wir von vielen Kameraleuten, die sich an den Straßenseiten bereitgestellt hatten, beim Vorbeifahren aufgenommen wurden. An der Veranstaltungshalle angelangt, war schon eine Menge los. Auf dem Vorplatz fanden Vorführungen chinesischer Musikgruppen, Trommler, Tai-Chi Tänzer usw statt, eine Gruppe von Kindern hatten sich – mit bunten Blumensträußen versehen, zum Spalier am roten Teppich aufgestellt, über den wir uns zum Eingang in die Halle begaben. Dabei passierten wir auch eine Reihe schöner Chinesinnen, die als Hostess dienten. Ein wahrer Augenschmaus an Farben und Klängen!

 

In der Halle gab es anschließend einige Ansprachen, bei dem Vertreter von Fernsehen, Politik, aber auch von Joint-Venture Unternehmen zu Worte kamen. Danach gab es ein Tanz- und Gesangsprogramm, und anschließend ging es mit der ganzen Autokolonne zur Stätte, wo die Messe feierlich eröffnet wurde. Als das rote Band vom Oberbürgermeister Zhenjiangs zerschnitten war, gab es ein Konfettifeuerwerk vom Feinsten. Und danach lud der Oberbürgermeister zum großen Festmahl ein. Es war ein Buffet angerichtet worden, das nur so von Vielfältigkeit der allerbesten kulinarischen Genüssen strotzte.

 

Zhenjiang: Ginghui Tempel im Yangtze FlussNach diesem kulturellen und leiblichen Wohlergehen, wollten wir auch die Stadt Zhenjiang selbst kennenlernen. Als erstes fuhren wir zu der im Bau befindlichen Yangtze Brücke, die den Fluss mit über 20 km Länge überspannen soll. Übergabe für den Straßenverkehr soll im Jahr 2005 sein. Danach kam wir zum „Goldenen Hügel“. Dort befindet sich die bedeutende Pagode Cishou Ta, das wohl markanteste Bauwerk der Stadt. Schließlich ging es in die Altstadt. Die Straßen wurden schmal und waren nicht für Autos geeignet. Man hatte das Gefühl, in die Vergangenheit Chinas zurückzukehren. Das Leben spielt sich draußen ab. Es gibt eine Menge Garküchen, überall wurde etwas gebrutzelt oder bearbeitet, ein Arzt und Anhänger der traditionellen Medizin hatte eine kleine Praxis an der Gasse und zeigte uns seine Heilerfolge anhand von alten Fotos, kurzum man kam sich wie in einer zur Realität gewordenen Sendung „Leben auf Chinesisch“ vor. Jingli war uns immer wieder eine große Hilfe, denn so konnte man auch mit Kindern und Leuten auf der Strasse reden, die uns neugierig umringten. Unweit dieser Gasse war die Lebensrettungsgesellschaft angesiedelt, die den damals noch vorbeifließenden Yangtze Fluss kontrollierte und Schiffbrüchigen half. Auch Marco Polo ist hier einmal gelandet, und man erinnert an einer Stelle an diesen denkwürdigen Besuch.

Abendessen hatten wir um 18.20h - wieder in großer Gemeinschaft mit den Radio- und Fernsehleuten und Vertretern der Stadt in einem Hotel Nahe des Bahnhofs von Zhenjiang. Einen besonderen Leckerbissen möchte ich nicht unerwähnt lassen: Schlange.....

 

Für den nächsten Tag (13. Oktober 2002) gab es eine Fortsetzung des Besichtigungsprogramms. Mit einem Autokonvoi fuhren wir zunächst nach Yangzhong. Im dortigen Hotel gab es eine erste Konferenz, bei dem auch Thomas Schneider und ich als Gäste begrüßt wurden. Danach besuchten wir eine Bauernsiedlung. Die Leute haben in einer eigenen Regie eine hübsche Siedlung errichtet mit einem attraktiven Ortskern (See mit Pavillon), und die Häuser waren überaus ansehnlich. Wir hatten auch die Gelegenheit, eines dieser Häuser zu besichtigen. Anschließend fuhren wir durch das Gelände einer Schule und kamen schließlich zu einem Bauer von traditionellen chinesischen Instrumenten, der uns auch seine musikalischen Fertigkeiten bei einem Flötenspiel bewies.

 

  Zhenjiang,  Uebergabe der Bambus-Bilder an Volker und ThomasSchließlich kamen wir zum Gelände der Firma Kloeckner-Moeller, ein deutsch - chinesisches Joint-Venture Unternehmen. Im dortigen Sitzungssaal wurden unter Teilnahme von Su Kebin (CRI Vize-Intendant), Ge Fei (General Manger der Firma Kloeckner-Moeller), Frau Sun Yanli (Leiterin der Abteilung für Aufklärungsarbeit der Stadt Zhenjiang und Herrn Sun Jingli von der deutschen Redaktion, Thomas Schneider und ich „offiziell geehrt“. Eine attraktive Urkunde wurde von Herrn Su an mich und Frau Sun an Thomas Schneider übergeben und wir erhielten von der Belegschaft der Firma jeweils ein wertvolles Bambus-Bild. Zuvor mussten wir auch auf dem Podium Platz nehmen und ein wenig über unsere Eindrücke berichten. Das Ganze wurde von Jingli übersetzt. Während der ganzen Zeit waren Thomas und ich immer wieder von Kameraleuten und der Presse umringt.

 Nach dieser „Feuertaufe“ für uns, wurden wir wieder mit einem chinesischen Mittagessen „belohnt“, bei dem es zahlreiche Toasts auf die Anwesenden gab. Draußen wurde noch vom Fernsehen ein Interview mit uns gemacht, und anschließen verließen wir wieder die Gruppe, um uns weitere Sehenswürdigkeiten von Zhenjiang anzuschauen.

Als erstes kamen wir zur Insel Jiaoshan im Yangtze Fluss gelegen. Dort setzten wir mit einem Motorboot über und besichtigten den Ginghui Tempel, das Fort und die schönen Parkanlagen der Insel. Anschließend ging’s wieder mit dem Motorboot über den Yangtze zurück und in Richtung Stadtmitte, wo wir eine weitere Tempelanlage besichtigten.

Beijing, Verbotene Stadt: Volker und Hoang GangDas Abendessen nahmen wir diesmal im „Zhenjiang Hotel“ ein und fuhren wenige Minuten später zum Flughafen von Nanjing. Um 20.10h ging’s dann wieder mit einer Boeing 737 der Air China (Flug 1504) nach Beijing zurück. Zwei Stunden später waren wir wieder im „Sino Swiss Hotel“ in der Nähe des Capital Flughafens Beijing, wo ich diesmal Zimmer 550 bekam. Leider hieß es von Sung Jingli Abschied nehmen. Jingli musste am nächsten Morgen schon mit dem Zug nach Südchina. Er sollte für die nächsten Tage würdig von Herrn Hoang Gang vertreten werden, der erst vor kurzem seine Arbeit in der deutschen Redaktion aufgenommen hatte. Fahrer blieb auch weiterhin Ye Jianhua.

Am 14. Oktober holte uns Hoang Gang gegen 09.15h ab und brachte uns zum Sommerpalast Dieser riesiger kaiserliche Garten mit seinen zahllosen Hallen, Wohnhöfen, Seen, Pavillons, Laubengängen und Pagoden entstand im Jahr 1750/51 als Geschenk des Qianlong-Kaisers zum 60. Geburtstag seiner Mutter. Die Kaiser Mandschu-Kaiser ließen südchinesische Gartenkunst ebenso nachbauen, wie tibetische Architektur. Vorherrschendes Motiv ist der Wunsch nach langem Leben, ausgedrückt mit den Symbolen Hirsch und Kranich und in der Bepflanzung. Das lange Leben ist neben Reichtum und männlichem Nachwuchs eines der drei traditionellen chinesischen Glückssymbolen. Bedeutende Gebäude sind u.a. die Halle der Güte und des langen Lebens, zwei Palasttheater, die Halle der Jadewogen, die Halle der Freude im Alter, ein 728 m langer mit 8000 chinesischen Szenen versehener Wandelgang entlang des Kunming-Sees, der Pavillon des Buddha-Weihrauchs und das Marmor Schiff. Mit der Suzhou Strasse hat sich der Kaiser eine typisch chinesisches Flussdorf nachbauen lassen.

 

Beijing:  Tian'anmen TorNach dem Mittagessen (auch Hoang Gang war bemüht, uns immer wieder Spezialitäten aus anderen chinesischen Regionen kosten zu lassen). ging’s in Richtung Stadtmitte von Beijing, wo wir ein bisschen Gelegenheit hatten in der Einkaufsstraße Wanfujing, der Fußgängerzone der Metropole, zu bummeln. Natürlich haben wir uns ein paar Geschäfte angesehen, sind aber auch mal in die Seitenstraßen hineingegangen, wo der Unterschied zur modernen Geschäftsstraße nicht größer sein konnte. Da merkte man, dass man nicht in irgendeiner Weltmetropole war, sondern in China. Es gab jede Menge chinesischer „Köstlichkeiten“ angeboten, von den mir ein Spieß mit gegrillten Skorpionen besonders markant in Erinnerung blieb. Aber auch chinesisches Kunsthandwerk, Buddhafiguren und Masken aus der Peking Oper wurden angeboten. Krönung des Tages war dann ein Essen in einem Restaurant im obersten Stockwerk eines der modernen Kaufhäuser in der Wanfujing-Straße, ein „Feuertopf“. Dabei handelt es sich um einen großen metallenen Kessel, der in der Mitte ein Gefäß mit heißer Holzkohle enthält. Im Topf befindet sich kochendes Wasser. Das Essen ist roh und wird mit Stäbchen in das kochende Wasser gehalten (ähnlich wie Fondue). Dazu gab es einen Blumentee zu trinken. Das war auch eine Zeremonie, die in Erinnerung bleibt, denn kaum hatte man die Tasse leergetrunken, wurde aus einer messingfarbenen Kanne mit einem fast ein Meter langem Ausguss heißes Wasser nachgegossen. Der Ausguss war dabei ca. 20 cm von der Tasse entfernt, der Ober verstand es hervorragend, das Wasser so in die Tasse zu „jonglieren“, dass kein Tropfen davon verloren ging und der Gast nicht verbrüht wurde.

 

Für den 15. Oktober war ein ganz besonderer Höhepunkt vorgesehen, der Besuch der „Verbotenen Stadt“,  in deren Inneren sich der Kaiserpalast befindet. Die einzelnen Bezirke sind durch hohe Mauern voneinander getrennt. Außen umgibt eine mächtige Mauer und ein breiter Graben das 960m lange und 750m breite Gelände. Die Anlage wurde in den Jahren 1406 bis 1420 errichtet. Bedeutende Gebäude sind die Tore Tian’anmen und Duan-men, das Mittagstor (Wu Men), das Tor der höchsten Harmonie. Letzteres führt zu den drei Thronhallen: die Halle der höchsten Harmonie (Taihue Dian), die Halle der Harmonie (Zhonge Dian) und die Halle der Bewahrung der Harmonie (Baohe Dian). Größtes Gebäude ist die Halle der höchsten Harmonie, die zu besonderen Anlässen genutzt wurde: so zum Geburtstag des Kaisers und zur Thronbesteigung. Durch das Tor des weiblichen Friedens (Kunning Men) kommt man in den Palastgarten.

Die Besichtigung all dieser Gebäude und Anlagen nimmt viel Zeit in Anspruch, zumal der Andrang von Touristen aus aller Welt sehr groß ist. Wir betraten die „Verbotene Stadt“ durch das Nordtor und verließen sie wieder durch das Tian’anmen. Von dort kamen wir unmittelbar zum größten innerstädtischen Platz innerhalb der Volksrepublik China, dem Tian’anmen. Die 30 ha Fläche kann eine halbe Million Menschen aufnehmen. Auf dem Tian’anmen befindet sich das Mausoleum von Mao Zedong und an den Seiten die „Grosse Halle des Volkes“ (Sitz des Nationalen Volkskongresses) sowie die Museen der chinesischen Geschichte und der chinesischen Revolution.

Nach dem Mittagessen fuhr uns Herr Ye Jianhua zum Himmelstempel (Tiantan). Es ist der bedeutendste aller kaiserliche Altäre und entstand, als der dritte Ming-Kaiser 1420 Peking zur neuen Hauptstadt machte. Auf der Terrasse brachte der Kaiser dem Himmel ein Tieropfer dar, stellvertretend für das ganze Reich. Bedeutendstes Bauwerk ist die Halle des Erntegebets (Qiniandian) im Norden. Sie ist auf einer dreifach gestuften kreisrunden Terrasse gebaut und besitzt ein dreifaches blaues Kegeldach. Das Gebäude symbolisiert die Zeit: das Dach ruht auf 28 Säulen. Die vier innersten stellen die vier Jahreszeiten da, der innere Säulenring die zwölf Monate und der äußere die zwölf Doppelstunden des Tages.

Nach dem Abendessen fuhren wir zum Liyuan Theater, denn es stand „Besuch einer Peking Oper“ auf dem Programm. Die Peking Oper besticht durch Pantomime, Akrobatik, symbolträchtige Masken und zauberhaft schönen aber auch schaurigen Kostümen. Innerhalb der einstündigen Vorführung brachte man zwei Peking Opern: „Herbstfluss“ – und „Perle auf der Regenbogenbrücke“.

 

Auch am nächsten Morgen (16. Oktober) fuhren wir wieder in Richtung Stadtmitte von Beijing. Als erstes stand eine Besichtigung des Konfuzius-Tempels an. In solchen Tempeln opferten die Beamten – auch der Kaiser persönlich. Bemerkenswert sind 198 Inschriftstelen, auf denen 51.624 Konfuzianer verewigt sind. Vom Konfuziustempel begaben wir uns zum nahegelegenen Lamatempel (Yonghe Gong). Dies ist Beijings größtes Tempelkloster und wurde in den Jahren 1744/45 gegründet. Das Kloster ist auch heute noch bewohnt. In einer der Hallen stehen für den Dalai Lama und den Panchen Lama zwei Thronsessel.

Im Studio von CRI: Chen Wei, Volker und Thomas

Das offizielle Besichtigungsprogramm in Beijing war damit zu Ende. Um 14.00h waren wir bei Radio China International eingeladen. Die deutsche Redaktion befindet sich im achten Stockwerk des erst vor kurzem bezogenen Sendegebäudes in der Shijingshanlu Strasse. Dort wurden wir bereits von Frau Chen Wei – Sprecherin für das Hörerpostprogramm begrüßt. Auch konnte ich viel andere der Redaktionsmitglieder begrüßen, vor allem Herrn Gong Xingkang, den ich persönlich von seinem Aufenthalt im Saarland beim Saarländischen Rundfunk vor über zwanzig Jahren her kannte. Die Wiedersehensfreude war verständlicherweise auf beiden Seiten groß.

Es gab viel zu erzählen und zu plaudern. Man zeigte uns die Räumlichkeiten der Redaktion und ich nahm auch die Gelegenheit wahr, der spanischen Redaktion einen Besuch abzustatten. Im Sendegebäude befindet sich auch eine Ausstellung von Hörergeschenken aller Redaktionen. Da waren viele interessante Objekte ausgestellt, auch alte Wimpel und Embleme von CRI fehlten nicht.

deutsche Redaktion von CRI:   Gong Xingkang Anschließend nahm Chen Wei ein Interview mit Thomas und mir auf, bei dem wir unsere Erlebnisse und Eindrücke unserer Reise schildern konnten. Das Interview wurde am 21. Oktober 2002 im Rahmen der Hörerpostsendung ausgestrahlt und ist derzeit auch auf der Homepage von Radio China International im Internet abrufbar: http://germany.cri.com.cn/germany/2002/Oct/92272.htm

 

Das letzte Abendessen während unseres Aufenthaltes in Beijing nahmen wir in einem Restaurant in der Nähe des Senders ein. Diesmal gab es Peking-Ente. Die knusprig gebratene Haut wird in eine runde Scheibe hauchdünnen Fladenbrot eingepackt, zusammen mit Gemüse und Sojasoße und verzehrt.

Am nächsten Morgen (17. Oktober) hieß es dann Abschied nehmen von Beijing und China. Hoang Gang brachte uns zum Capital Airport und um 10.45 startete die Boeing 747 der Lufthansa (Flug LH721) in Richtung Heimat. Die Flugstrecke führte uns über Ulan Bator, Irkutsk, Novosibirsk, Jekaterinburg, den Ural, Moskau, St. Petersburg, Tallinn, Gotland, Bornholm, Rügen nach Frankfurt, wo wir nach 9,5 Stunden wohlbehalten ankamen. Der Flughafenzubringerdienst Leroux wartete schon auf meine Ankunft, und zwei Stunden später war ich wieder zuhause in Dillingen.

 

Ein unglaublich interessantes Besuchsprogramm war zu Ende gegangen. Ich habe danach noch einige Zeit gebraucht, das Gesehene zu verarbeiten und zu begreifen. Mein ganz besonderer Dank an Chin Minyi und Su Kebin von der CRI Direktion, der deutschen Redaktion von Radio China International in Beijing, insbesondere Chen Wei, Sun Jingli und Hoang Gang, aber auch alle die netten Rundfunkkollegen in der Stadt Zhenjiang, die dafür sorgten, dass keine Minute unseres Besuchs langweilig war! 

Ich empfehle, den Bericht meines Hobby-Freundes Thomas Schneider aus Freiburg zu lesen, der seine Eindrücke und Emotionen ebenfalls zu Papier gebracht hat und dessen Aussagen ich mich voll und ganz anschließe.

 


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